Eingewöhnung

Eine sanfte Eingewöhnung ist die Basis für ein stabiles Vertrauensverhältnis. In Deutschland sind vor allem zwei Modelle etabliert, das Münchner und das Berliner Modell

Die Eingewöhnungsphase im BärenKörble bestimmt Ihr Kind und erfolgt überwiegend nach dem Berliner Modell, kann aber auch in der Mischvariante erfolgen.

1.) Berliner Modell (ca. 3–4 Wochen)

Die Grundphase: Ankommen & Beobachten

In den ersten 4-5 Tagen kommt das Kind mit einer Bezugsperson für ca. 1–2 Stunden; es findet noch keine Trennung statt.

In Begleitung eines Elternteils macht sich das Kind mit dem Gruppenalltag vertraut. Ich empfehlen den Eltern hierbei eine passive Beobachterrolle: Geben Sie Ihrem Kind den nötigen Rückhalt, aber lassen Sie ihm den Raum, die Umgebung eigenständig zu erkunden und erste Trennungsschritte aus eigenem Antrieb zu wagen. 

Ab dem ca. 5. Tag beginne ich behutsam, Ihr Kind zur aktiven Teilnahme am Tagesgeschehen zu animieren. Zuvor nehme ich, wie sie als Elternteil, eher eine beobachtende Rolle ein, um die individuellen Bedürfnisse Ihres Kindes genau kennen zulernen. 

In dieser Phase sind Sie als Eltern der "sichere Hafen". Wenn Ihr Kind Nähe, Trost oder Schutz bei Ihnen sucht, ist das völlig richtig so. Bitte drängen Sie es nicht zum Spielen, sondern geben Sie ihm die Sicherheit, die es braucht. In der Grundphase findet in der Regel noch keine Trennung statt; sie dient dazu, dass Ihr Kind aus der Sicherheit Ihrer Nähe heraus seine neue Umgebung erkunden kann (*Exploration).

Der erste Trennungsversuch ca. 6 Tag - Wichtig: Wir starten eine Trennung nie direkt nach einem Wochenende!

Sie verabschieden sich heute klar und eindeutig von Ihrem Kind und verlassen für ca. 20 Minuten den Raum, bleiben aber in der Nähe. Lässt sich Ihr Kind von mir rasch und dauerhaft beruhigen, dehnen wir die Zeit am nächsten Tag auf 30 bis 60 Minuten aus.

Der kurze Abschied: Klarheit schafft Sicherheit
Wenn der erste Trennungsversuch erfolgreich war, verlängern wir heute die Zeit. Bitte verabschieden Sie sich kurz und entschlossen. Lange Abschiedszeremonien erschweren den Prozess für beide Seiten. Es ist völlig normal, wenn Ihr Kind beim Abschied weint – so drückt es seine Gefühle zur neuen Situation aus. Meist beruhigt es sich schnell, sobald Sie außer Sichtweite sind. 

Dieses Weinen ist kein Zeichen einer schwachen Bindung, sondern Ausdruck der Individualität Ihres Kindes.

Wichtig: Einmal verabschiedet, bleiben Sie bitte konsequent beim Gehen. Das gibt Ihrem Kind die nötige Orientierung. Ich bin in dieser Zeit mit offenen Armen und voller Aufmerksamkeit für Ihr Kind da. Und keine Sorge: Ich weiß, dass dieser Schritt auch für Sie als Eltern nicht immer leicht ist! 

Das Wohl des Kindes steht an erster Stelle

Sollte sich Ihr Kind nach ca. 20 Minuten nicht von mir beruhigen lassen, bitte ich Sie sofort zurückzukommen. In dieser Phase erfährt Ihr Kind von mir besondere Zuwendung, offene Arme und emotionale Bevorzugung gegenüber der Gruppe. So bauen wir das Vertrauen auf, dass alles gut ist und "Mama/Papa immer wiederkommt".

Stabilisierungsphase
Hatte die Trennung am Vortag Erfolg, verabschieden Sie sich heute zügig. Kurze Abschiede erleichtern Ihrem Kind und Ihnen den Übergang. Lange Abschiedszeremonien verstärken oft den Trennungsschmerz. Die Trennungszeiten werden täglich gesteigert, bis das Kind die Tagesmutter als "sichere Basis" akzeptiert.

Der weitere Verlauf:

  • Bei Erfolg: Ab dem 10. Tag dehnen wir die Zeiten individuell aus. Ab dem 20. Tag streben wir den kompletten Tagesablauf inklusive Mittagsschlaf an.

Sollte ein Trennungsversuch noch nicht glücken, kehren wir zur Stabilisierung der Beziehung kurzzeitig einen Schritt zurück und besprechen gemeinsam den nächsten Versuch.

2.) Münchner Modell (ca. 4–5 Wochen)

Dieses Modell setzt auf eine längere gemeinsame Zeit von Kind und Elternteil in der Gruppe, bevor die erste Trennung (meist erst nach zwei Wochen) erfolgt.


Hilfreiche Praxis Tipps für beide Modelle

    • Ein Übergangsobjekt (Kuscheltier, Schmusetuch) gibt dem Kind Sicherheit.
    • Für den Mittagsschlaf (ab Phase 3) Evtl. eine Spieluhr oder ein T-Shirt von Mama/Papa, das nach Zuhause riecht. 

    • Verabschiedung: Gehen Sie niemals heimlich! Ein kurzer, klarer Abschied ist wichtig für das Vertrauen.


Was bedeutet "Exploration"?

Exploration steht für das Erkunden, Entdecken und Erforschen. Es beschreibt den natürlichen Drang Ihres Kindes, die Welt mit allen Sinnen neugierig zu entdecken.

Dazu gehört:

  • Neugier: Das freie Untersuchen von Gegenständen, Pflanzen oder Tieren.
  • Kontakt: Das erste vorsichtige Zugehen auf andere Menschen.
  • Mut: Sich Stück für Stück vom "sicheren Hafen" (Ihnen) zu lösen, um die Umgebung zu erobern.

Das Wichtige dabei, Exploration und Bindung gehören zusammen. Erst wenn Ihr Kind sich bei Ihnen sicher fühlt, hat es den Mut, die Welt zu erkunden. Die Eingewöhnung ist geschafft, wenn ich als Tagespflegeperson dieser neue, zusätzliche "sichere Hafen" für Ihr Kind geworden bin. 


Empfehlenswerte Literatur zur Eingewönung

© aktualisiert 01.2026 Angela Wüstenberg - Alle Rechte vorbehalten
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